|
kol.
BUXTEHUDE. Eigentlich wollte der promovierte
Verfahrenstechniker Joachim Harder (47) so
etwas wie ein Fachjournalist werden. Jetzt
macht er zwar was ganz anderes, ist seinem
Ziel aber trotzdem sehr nahe gekommen: "Ich
schreibe jetzt auch während der Hälfte
meiner Zeit - bloß nicht für Zeitschriften,
sondern für meine Auftraggeber."
|
|
 |
|

|
Die
Weltkarte hinterm Schreibtisch verweist
auf die internationale Ausrichtung von
OneStone: Joachim Harder (l.) und Mitarbeiter
Frank Philippsen tauschen sich täglich
aus
Foto:
kol
|
Das
sind weltweit Unternehmen aus dem Bereich Anlagen-
und Maschinenbau, die er mit seiner "OneStone
Consulting Group" berät. 1997 im Buxtehuder
Technologie-Zentrum gegründet, macht der
Vier-Mann-Betrieb fast eine Million Mark Umsatz
im Jahr.
Zu
den Kunden zählen so bekannte Unternehmen
wie Reifenhersteller Continental oder Thyssen-Krupp
ebenso wie nicht minder große Konzerne
wie Svedala aus Schweden, Flender-Getriebebau
oder die Babcock Material Handling (BMH) in Buxtehude.
Bei der Claudius Peters AG in Hamburg (heute Teil der
BMH), ist Harder als Verfahrenstechniker eingestiegen
und hat es in einem halben Jahr zum Entwicklungschef
gebracht. Zusammen mit einem im Technologie-Transfer
erfahrenen Kollegen macht er sich als Unternehmensberater
selbständig, kehrt aber bald schon zu seinem alten
Unternehmen zurück. Dort arbeitet er als Marketing-Direktor,
bevor ihm an seinem Wohnort mit OneStone erneut der
Sprung in die Selbständigkeit gelingt.
Die Gruppe gliedert sich in drei eigenständige
Unternehmen mit verschiedenen Schwerpunkten:
- die
Consulting Group berät Unternehmen der
Investitionsgüterindustrie und deren Management
zu Produkten, Marktlage und Strategien
- die
Intelligence recherchiert und erstellt Marktstudien,
die nicht nur einem Auftraggeber zugute kommen,
sondern an jeden Interessenten verkauft werden
- die
Technologies betreibt Projektberatung und übernimmt
Industrievertretungen.
Die
klassische Unternehmensberatung basiert auf einem
besonderen Vertrauensverhältnis zwischen
OneStone und den Klienten, die dazu internste
Unternehmensdaten offenlegen. Der Umfang einer
Aufgabe variiert von Vorschlägen zur Lösung
von Einzelproblemen bis hin zur kompletten Projektbetreuung.
Und natürlich kann sich Harder um diejenigen
am intensivsten kümmern, die in Norddeutschland
angesiedelt sind. Bei süddeutschen Unternehmen
beschränkt sich der Kontakt oft nur auf
ein Treffen zur Problembeschreibung und später
dann die Präsentation des fertigen Lösungsvorschlags.
Das soll sich jedoch ändern. Harder strebt Partner-Stützpunkte
in München, Leipzig, im Rheinland und auch im
Ausland an.
Lokale Partner könnten dann ruhig einen anderen
Beratungsschwerpunkt haben, aber wenn nötig doch
auf das Basiswissen der Zentrale zurückgreifen.
Ein weiteres Standbein sollen die Expert-Partner werden,
die gezielt auf die typische OneStone-Klientel hinarbeiten.
Für das Konzept wurde Harder bereits mit einem
Preis auf Landesebene beim "StartUp"-Wettbewerb
der Sparkassen ausgezeichnet.
Im Intelligence-Bereich decken Harder und seine Kollegen
ihre Spezialgebiete ab, etwa in der Umwelttechnik.
Da wird über einen Zeitraum von bis zu einem halben
Jahr für einen bestimmten Bereich ein komplettes,
weltweites Marktbild erstellt. Dazu wird eigenständig
in der Fachpresse oder im Internet recherchiert, vor
allem aber bei den Experten in den Unternehmen, die
teilweise mit den späteren Käufern der Studie
identisch sind. Diese Recherche erübrigt die Kundenwerbung: "Wir
akquirieren überhaupt nicht", versichert
Harder. Die angesprochenen Experten interessieren sich
für die Studie, wollen oft schon gleich wissen,
wann sie zu haben ist.
Der Kundenkreis für die Spezialstudien ist natürlich
nicht groß. Entsprechend klein ist die Auflage,
die aus den PC-Druckern in den OneStone-Büros
kommt. Mal sind es essentielle zehn, mal umfassendere
250 Seiten, für die die Käufer 2.000 bis
5.000 Mark zahlen.
Die Marktstudie für Geräte in Container-Terminals
hat OneStone unter anderem nach China, Japan, Korea
und Amerika verkauft. Und weil sich im Terminal vieles
auch auf Reifen bewegt, wurde ein Exemplar von Continental
geordert. Die Arbeitssprache, in der die Analysen direkt
geschrieben werden, ist in der Regel Englisch.
Ein Großteil der Recherche läßt sich
vom Büro aus via Telefon erledigen, auf Wunsch
geht's aber raus zu den Kunden der Klienten. Nach Schweden
zum Beispiel, wo der OneStone-Mitarbeiter die erklärungsbedürftigen
Produkte des Klienten präsentiert. Als Nebeneffekt
werden sogar Verkaufsabschlüsse erzielt. Hauptgrund
ist aber, daß die OneStone-Experten erfahren,
was die Kunden von den Produkten ihrer Klienten erwarten.
Mit den Ergebnissen der Marktuntersuchung konnte der
Klient seinen Vertrieb in Skandinavien deutlich verbessern.
Der Unternehmensname in Anspielung an das Genie Albert
Einstein ist inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern
in 13 weiteren Ländern geschützt.
Ins TZB zog Harder, weil er sich den Austausch mit
anderen Gründern erhoffte. Damals nutze er auch
noch den zentralen Computer-Server, den es inzwischen
nicht mehr gibt, weil das alte Gerät dem Jahr-2000-Problem
zum Opfer gefallen ist. "Schade eigentlich",
findet Harder, der jetzt einen eigenen Server im Büro
hat, "der gemeinsame Server war effizient und
hatte viele Vorteile."
Bei aller Arbeit hat der Mann sogar noch Zeit für
Hobbys. So ist er aktiver Fußballtrainer und
meint: "Coaching und Unternehmensberatung - das
paßt ja auch irgendwie zusammen."
© Wochenblatt
Verlag Schrader GmbH & Co. KG
|