Gogolin & Co.- Technische Dokumentation in Buxtehude

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Kreiszeitung / Wochenblatt vom 05.07.2000
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Die jungen Unternehmen im Technologie-Zentrum Buxtehude

So wichtig wie die Maschine selbst

"Gogolin KG" im TZB: Mit Technischen Dokumentationen auf Wachstumskurs

 

15 junge Unternehmen beherbergt das Buxtehuder Technologiezentrum

Foto: ma

 
 

Flexibel, wenn sich der Bedarf ändert

(kol). 15 Unternehmen beherbergt das städtische Technologie-Zentrum Buxtehude (TZB), derzeit auf einer Fläche von rund 2.000 Quadratmetern. 1985 gegründet, herrscht hier ein ausgewogenes Verhältnis von Kommen und Gehen: Grob gesagt kommen pro Jahr zwei neue Jungunternehmen hinzu, und zwei stellen sich auf eigene Füße. Wenn sich die Erwartungen von Armin Ußling, der die Unternehmer betreut, erfüllen, wird sich in den nächsten Monaten schon die Zahl der Arbeitsplätze im TZB mehr als verdoppeln. Er geht davon aus, daß ein Betrieb ausziehen wird und dafür gleich fünf neue einziehen - einer davon mit geschätzten 70 Mitarbeitern. Daß eine solche Aufstockung überhaupt möglich ist, zeigt, daß es hier immer noch genügend Kapazität gibt, um flexibel auf neuen Bedarf reagieren zu können.

 

kol. BUXTEHUDE. Beim Einzug ins Technologie-Zentrum Buxtehude im Jahr 1998 hatte die auf EDV-Handel und -Dienstleistungen spezialisierte "Gogolin KG" gerade mal zwei festangestellte Mitarbeiter, inzwischen hat sich der Stab verdreifacht, außerdem arbeiten noch fünf freie Mitarbeiter dem jungen Unternehmen zu. Und was machen die?
"Unsere Schwerpunkte sind die technische Dokumentation im Maschinen- und Anlagenbau, die Übersetzung der Texte in alle europäischen Sprachen und die Illustrationen für Handbücher", umreißt Firmengründer und -chef Wolfgang Gogolin (48) das Spektrum.

Er und sein Team profitieren von mehreren Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts: Der Gedanke der Arbeitssicherheit rückt immer mehr in den Vordergrund und damit auch der Bedarf an exakten Beschreibungen und Anleitungen für die Maschinen. Gleichzeitig haben immer mehr Herstellerfirmen gemerkt, daß solche Leistungen sich außerhalb ihres Kernbereichs im eigenen Unternehmen nicht rentieren. Die Arbeiten werden also an Firmen wie die Gogolin KG vergeben.

Und dann ist da noch die Vereinheitlichung der Vorschriften im Zuge der Europäischen Einigung. Gogolin kann der oft gescholtenen EU-Bürokratie viel Gutes abgewinnen: Die Maschinenrichtlinie sei so gut, daß auch Vorgaben abgedeckt werden, die außerhalb der EU gelten. Und daß es nur noch eine Richtlinie gibt, erleichtert die Arbeit für die international agierenden Unternehmen ungemein.

Im Großraumbüro arbeiten Zeichner und Redakteure im Team eng zusammen (im Bild: Birgit Schmidt und Heiko Bagdonat). Anschließend kommen die Übersetzer zum Zug

Vom Brennschneider über TextiImaschinen bis zu Automaten für den Reifenaufbau - das alles gehört zum Spektrum von Gogolin.
Im Gespräch mit den Konstrukteuren der Maschinen erarbeiten die Technischen Redakteure aus Buxtehude eine Rohfassung ihrer Dokumentation, die vom Hersteller nochmal überprüft wird. Das Endprodukt muß alle technischen Daten enthalten, Skizzen von der Maschine und vor allem eine Beschreibung, wie das Gerät zu transportieren, aufzustellen und zu bedienen ist. "Ist die Anleitung fehlerhaft, ist die Maschine fehlerhaft", lautet ein Grundsatz der Produkthaftung. Mögliche Gefahrenquellen müssen erkannt werden, auch dem Mißbrauch von Sicherheitsvorkehrungen muß ein Riegel vorgeschoben werden.

Wolfgang Gogolin zog 1998 ins TZB und hat seine Belegschaft seither verdreifacht

"Wichtig ist, daß wir aus der Sicht der Bediener schreiben", schildert Gogolin die Aufgabe seiner Redakteure. "Die Konstrukteure hingegen würden vor allem versuchen, ihre technische Leistung herauszustellen.
Die Bedienung wird per Video aufgezeichnet und dann in einen Text übersetzt.

Nach einer kaufmännischen Lehre studierte Firmenchef Gogolin Physik und heuerte anschließend bei einem Konstruktionsunternehmen an, wo er bald den Software-Bereich übernahm. "Da bin ich dann in die Technische Dokumentation reingerutscht." Allerdings gab es den Begriff damals überhaupt noch nicht, der Bereich entwickelte sich gerade erst, ausgelöst durch steigendenden Export und zunehmende Vorschriften im In- und Ausland.
Als er sich dann selbständig machte, dachte der bei Sittensen wohnende Jungunternehmer natürlich zuerst an Hamburg. Doch in Buxtehude fand er sofort Unterstützung durch kompetente Ansprechpartner und im Technologiezentrum die gesamte Infrastruktur, die er anderorts erst noch selbst hätte aufbauen müssen. "Auch unsere Kunden haben kein Problem mit unserer Randlage", weiß Gogolin inzwischen. Im Gegenteil: Der preisgünstige Standort läßt darauf schließen, daß die Kosten so weit als möglich begrenzt werden.

So sieht eine Handbuch-Detailzeichnung einer Maschine für die Zigarettenherstellung aus. Damit werden später Filter produziert

Fotos: kol

Obwohl Gogolin auch mit einigen seiner direkten Nachbarn im TZB gut zusammen arbeitet, will er nicht unbegrenzt hier bleiben. In zwei Jahren, hofft er, die Größe seines Unternehmens mindestens noch einmal verdoppelt zu haben. Dann könnte es hier doch etwas eng werden. Außerdem sei dann die Aufgabe der städtischen Einrichtung erfüllt, dem jungen Unternehmen auf die Sprünge geholfen zu haben.
Einen Standort-Nachteil von Buxtehude hat der Unternehmer inzwischen aber doch noch herausgefunden: Es fällt schwer, qualifiziertes Personal zu finden. "Wer von Düsseldorf kommt, zieht lieber gleich nach Hamburg."
Die Technischen Redakteure und vor allem Übersetzer können sich das noch aussuchen, sind sie doch gefragte Mangelware. Es würden einfach zu wenige ausgebildet.

Dabei ist das seiner Meinung nach ein Beruf mit Zukunft. Zum Technischen Redakteur braucht ein Diplomingenieur noch eine einjährige Zusatzausbildung. Und durch die zunehmende weltweite Vernetzung (hauptsächlich via Internet) sind die spezialisierten Übersetzer gefragter denn je.

"Unsere Kunden sind wie kleine Inseln", erklärt Gogolin, warum es in der Branche keine Mund-zu-Mund-Propaganda gibt und er sich schon selbst ans Telefon hängen muß, Prospekte verschickt und auf Fachmessen präsent ist, um an neue Aufträge zu kommen. Auch dabei hilft ihm das Internet: einer seiner jüngsten Neukunden ist ein Tablettenmaschinenhersteller aus Argentinien, der im Netz auf ihn aufmerksam wurde.

© Wochenblatt Verlag Schrader GmbH & Co. KG

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